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Fabelmacht!

Dieser Tage veröffentlichte der Arena-Verlag die Buchhandelsvorschau, in der mein neues Jugendbuch “Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen” beworben wird.

Die Seiten sind einfach wunderschön geworden!

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Hier kann man sich die gesamte Vorschau ansehen.

Leserunde bei den Büchereulen

Unter diesem Link findet seit Samstag eine Leserunde zu “Ohne Ausweg” statt, die ich begleite. Wer Infos über das Buch und über die Arbeit daran von mir persönlich haben möchte, kann dort mitlesen.
Das erste, was ich dort erläutert habe, ist der Hintergrund für die Widmung vorn im Buch:
… für all die anderen, die ihre Kinder in Boote setzen, weil ihr Land gefährlicher geworden ist als das weite, offene Meer.
Was es damit auf sich hat, findet sich hier.

Laborwerte

Vom 2. bis 3. April 2017 findet in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel eine Tagung für Schreibende und Publizierende statt – und für alle, die darüber mitreden wollen. Unter dem Titel “Laborwerte – Über Literaturförderung, Schreiblehre und Buchmarkt” gibt es Vorträge und Diskussionrunden zu verschiedenen Aspekten des Themas.

Ein Auszug:

Wo, bitte, geht’s zum nächsten Schreibniveau?

Sisyphos ist Rock ’n’ Roll – Die deutsche Lyrikszene

Und davon kann man leben? Ja/Nein/Vielleicht

Keiner schreibt für sich allein – Vom Literaturlabor in die Redaktion.

Ich selbst halte einen Vortrag über das Literaturlabor Wolfenbüttel (www.lilawo.de) und die Möglichkeiten von Literaturförderung in der heutigen Zeit.

Das ausführliche Programm und eine Möglichkeit zur Anmeldung findet sich auf der Website der Bundesakademie.

Sind wir nicht alle Klassenclowns?

Warum machst du dir eigentlich diesen ganzen Stress? Das ist die Frage, die mir in Zusammenhang mit meiner Flüchtlingsarbeit am häufigsten begegnet. Bisher hatte ich als Antwort darauf meistens nur ein Achselzucken. Aber vorgestern dann habe ich den Stapel Zeitungen und Zeitschriften auf meinem Tisch durchgesehen und “abgearbeitet”.

Meistens bleibt bei einem solchen Lesemarathon ein Detail – ein Interview oder zumindest eine Aussage darin – hängen. Diesmal war es ein Satz, den ein Flüchtlingshelfer in Ansbach der Frankfurter Allgemeinen Woche gegenüber geäußert hat. In der Ausgabe 6 vom dritten Februar 2017 steht er: “Das ist eine meiner Motivationen. Ich helfe ihnen [gemeint sind die Geflüchteten in seinem Ort] , und sie kommen dann vielleicht gar nicht auf solche Gedanken, weil es für sie weitergeht.”

Hinter den Worten “solche Gedanken” steckt – was sonst – der islamistische Terror. In Ansbach hat sich im Sommer 2016 ein syrischer Flüchtling in einem Biergarten in die Luft gesprengt. Es gab 15 Verletzte, vier davon schwer. Der Attentäter starb.

Klaus W*., besagter Flüchtlingshelfer, geht trotzdem weiter in das Flüchtlingsheim, kümmert sich. Und wird vermutlich dafür, wie überall in Deutschland Hunderte oder sogar Tausende ehrenamtliche Helfer, mitunter verwundert oder verständnislos angesehen. Vielleicht hat er auch Aufkleber mit rechtsradikalen Parolen am Auto oder ewiggestrige Schmierereien auf dem Bürgersteig. Aber davon steht in dem Artikel nichts, denn es geht hier um etwas anderes. Es geht um die Frage, wie wir mit der Bedrohung durch den islamistischen Terror umgehen. In Berlin sind die Menschen nach dem Attentat auf dem Breitscheidplatz erst recht auf die Weihnachtsmärkte gegangen, und auch in Ansbach hat man sich alle Mühe gegeben, so normal wie möglich weiterzumachen.

Weil alles andere bedeuten würde, dem Terror nachzugeben. Und die, die Angst und Schrecken verbreiten wollen, gewinnen zu lassen.

Trotzdem hat mich hat der Artikel nachdenklich gemacht.

Könnte der Terror unseren Trotz nicht sogar noch viel größer werden und in ein ganz neues “Jetzt erst recht!” münden lassen? Was wäre, wenn gerade der Terror (und ich rede jetzt durchaus nicht mehr nur vom islamistischen) die Menschen dazu treiben würde, in die Flüchtlingsheime zu gehen, sich um die zu kümmern, die dort seit Monaten sitzen und wegen Perspektivlosigkeit und Frust auf radikale Ideen kommen?

In den letzten Tagen ist ein sehr berührendes Video aus Dänemark viral gegangen, in dem auf leicht verständliche Art und Weise verdeutlicht wird, dass wir, wenn wir nur bereit sind, genau genug hinzuschauen, mit jedem Menschen auf der Welt Gemeinsamkeiten entdecken werden. Selbst wenn es nur die Tatsache ist, dass beide in der Schule der Klassenclown waren.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat am 13.1.2017 folgende Zahlen veröffentlicht:

Zwischen Januar und Dezember 2016 wurden 321.371 Zugänge von Asylsuchenden im EASY-System registriert. Die tatsächliche Zahl lag laut BMI darunter: nach vorläufiger Berechnung des BAMF könne “von gut 280.000 asylsuchenden Menschen ausgegangen werden”.

2015 lag die Zahl der EASY-Registrierungen deutlich höher. Von Januar bis Dezember 2015 wurden im EASY-System 1.091.894 Zugänge von Asylsuchenden erfasst. Auch hier lag die tatsächliche Zahl nach Angaben des BMI darunter: bei rund 890.000 Asylsuchenden.**

Rechnet man mit den höheren Zahlen, bedeutet das, dass 1.413.265 Menschen in den letzten zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind.

Laut Statistischem Bundesamt haben am 31.13.2015 82,2 Mio. Menschen in Deutschland gelebt. Lassen wir die unter 20-Jährigen (18,3 Mio.) weg und auch die über 80-Jährigen (5,8 Mio.) sind das immer noch 58,1 Mio. Menschen***. Würde sich jeder dieser 58,1 Mio. Menschen nur eine Stunde in der Woche um einen einzigen Geflüchteten kümmern, würde jeder von diesen Geflüchteten über vierzig Stunden in der Woche mit Deutschen zusammensein, würde sie kennenlernen, nicht nur als den überarbeiteten Menschen im BAMf, der schlecht gelaunt Unterlagen abstempelt und über die eigene Perspektive entscheiden muss, sondern als Mann, Frau, als Vater, Mutter, Arbeiter, Rentnerin oder eben als Klassenclown  …

Klaus W. sagte: “Das ist eine meiner Motivationen. Ich helfe ihnen und sie kommen dann vielleicht gar nicht auf solche Gedanken, weil es für sie weitergeht.”

Wenn nur ein einziger Geflüchteter sich durch Klaus W.s Arbeit dazu entschließt, nicht in die nächste Salafisten-Moschee zu gehen, hat der Mann meiner Meinung nach mehr gegen den Terror und für die Sicherheit in unserem Land getan, als alle “Volksverräter”- und “Merkel muss weg”-Brüller auf den Marktplätzen zusammen.

Ich liebe es übrigens, mit einem unserer Geflüchteten zusammen zu kochen. Und mein Mann kann mit einem anderen über Fußball schwadronieren. Über die Frage, wer von uns in der Schule der größere Klassenclown war, müssen wir einmal reden, fällt mir gerade auf.

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* Sein voller Name wird im Artikel der Frankfurter Allgemeinen Woche genannt.

** https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/flucht/218788/zahlen-zu-asyl-in-deutschland#Registrierungen, abgerufen am 7.2.2017

*** Alle Zahlen nach: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen_/lrbev01.html (abgerufen: 7.2.2017)

Herzklopfen …

… habe ich manchmal, wenn mich eine neue Rezension erreicht, weil mir die Meinung des Rezensenten so wichtig ist. Christian Koch, der Inhaber der Hammett Buchhandlung in Berlin, gehört zu diesen Menschen. Ich kenne Christian schon seit vielen Jahren – seit ich damals in seinen Laden stolperte und auf der Suche nach den alten Ullstein-Ausgaben der Spenser-Romane von Robert B. Parker war. Innerhalb weniger Monate fand Christian für mich die noch fehlenden Exemplare, sodass er großen Anteil daran hat, dass meine Sammlung von diesem Autor weitgehend vollständig ist.

Seitdem sind wir lose immer mal wieder in Kontakt. Wenn ich in Berlin lese, lasse ich oft einen guten Teil meines Honorars in seinem Laden, weil von ihm immer geniale Lesetipps kommen. Manchen neuen Autor, auf den ich allein nie gekommen wäre, hat er mir erst vorgestellt.

Umso größer war die Nervosität, als ich heute eine Mail mit einem Link zu einer Video-Rezension zu “Ohne Ausweg” von Christian bekam. Und umso froher bin ich nun, dass ihm das Buch gefallen hat. “Hochspannend, ziemlich cool“ und „das Buch ist wie ein spannender guter Film“. Solche Aussagen freuen das Autorinnenherz. Und dass er eigens darauf hinweist, dass Faris’ muslimischer Hintergrund ein Alleinstellungsmerkmal der Serie ist, ist natürlich nicht weniger schön.

Eines nur hat er vergessen: Dass Faris, der in Band 1 und 2 noch in der Pestalozzi-Straße über der japanischen Buchhandlung gewohnt hat, umgezogen ist, jetzt über der Hammett-Buchhandlung wohnt, und dass er selbst, Christian Koch, in dem Buch auftaucht, hat er nicht erwähnt. Vermutlich ist er einfach zu bescheiden dafür.

“Wir haben doch nichts davon gewusst …”

Schlimm: Was Björn Höcke in seiner Rede vom 17. Januar sagt. Schlimmer: Sein beseeltes Glühen, als er merkt, dass er die Menge im Griff hat. Am Schlimmsten: Dass sie aufstehen und jubeln. 

Ein Bild hallt in mir nach, seit ich in den 80er-Jahren den Film “Die Welle” gesehen habe. Dieser Schockmoment, als die Schüler in der Aula sitzen und auf den Auftritt ihres Anführers warten und stattdessen auf den Fernsehbildschirmen eine alte Aufnahme von Hitler erscheint. In meiner Erinnerung sagt der Lehrer diesen einen Satz: “Ihr wäret alle gut Nazis geworden”.

An diese Szene musste ich gestern Abend denken, als ich mir Björn Höckes Rede vom 17. Januar 2017 in Dresden angeschaut habe.

Ja. Die ganze Rede.

Und jetzt muss das hier dringend aus mir raus, obwohl dies der erste Beitrag auf dieser Website ist und ich diesen Blog eigentlich mit einem ganz anderen Thema starten wollte.

Ich zitiere hier nicht noch einmal die Stellen, die in sämtlichen Medien schon ausreichend dargelegt und auch kommentiert wurden. Dass Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als “Denkmal der Schande” bezeichnet hat oder dass er davon faselt, “wieder eine positive Beziehung zu unserer Geschichte auf[zu]bauen” und in diesem Zusammenhang eine “erinnerungspolitische Wende um 180 Grad” fordert – all das und noch mehr ist an anderen Stellen bereits ausführlich nachzulesen und auch eingeordnet worden. Ich verweise hier ausdrücklich auf den Kommentar von Sascha Lobo auf SPIEGEL ONLINE, in dem er auch Links an die entsprechenden Stellen der Rede setzt.

Wer also keine Zeit (oder nicht den entsprechend stabilen Magen und die guten Nerven) hat, sich die Rede ganz anzusehen, kann sich leicht über ihren genauen Inhalt informieren. Und er kann sich auch das beseelte Grinsen von Höcke anschauen, wenn er merkt, dass er die geifernde Menge voll im Griff hat.

Am allermeisten geschockt haben mich allerdings nicht seine Worte oder dieses machtgeile Grinsen.

Am allermeisten geschockt hat mich eine Szene relativ weit am Ende der Rede (in dem oben angegebenen Link bei ca. 1:37:50). Nur leicht rhetorisch verbrämt beklagt sich Höcke an dieser Stelle darüber, was in deutschen Schulen über den Holocaust gelehrt wird, um in dem Ausruf zu enden: “So kann es nicht weitergehen!” Nur einige wenige im Publikum reagieren darauf mit stehender Ovation. Aber vorne links sitzt ein Mann, der sich an dieser Stelle umdreht und die Leute mit wilden Armbewegungen dazu auffordert, ebenfalls aufzustehen und zu klatschen.

Und die Leute stehen auf.

Sie stehen tatsächlich auf!

An dieser Stelle habe ich die Szene aus “Die Welle” vor mir gesehen. Das betroffene Gesicht des Lehrers. In meiner Erinnerung habe ich seine Worte gehört: “Ihr wäret alle gute Nazis geworden.” Und plötzlich habe ich Angst.

Angst davor, dass wir wieder an einem Punkt angekommen sind, wo es nicht viel mehr braucht als ein paar Scharfmacher an den richtigen Stellen, die mit ihrer gedankenlosen Begeisterung und mit ihrer kritiklosen Gemeinschaftsgefühleuphorie genau jenen an die Macht verhelfen, die rhetorisch geschickt das Rad der Geschichte ganz langsam Stück für Stück zurückdrehen wollen.

Angst davor, wie einfach es zu sein scheint, aus Menschen mit Angst vor der Zukunft, eine Herde von Schafen zu machen, die am Ende wieder “Ja!” brüllt, wenn man sie fragt, ob sie Krieg will.

Angst davor, dass es irgendwann doch die wirklich absolut Falschen schaffen, Seniorpartner in einer Regierungskoalition zu werden – oder gleich die von Höcke ganz offen und deutlich angepeilten 51 Prozent der Wählerstimmen zu bekommen.

Ich denke, ich lese mich jetzt mal im Detail durch die Reaktionen der AfD-Führung auf Höckes Rede.

***

 

Krimis als Beruhigungspillen …

… war nur ein Thema in dem Interview, das ich Bloggerin Sandra Matteotti gegeben habe. Natürlich haben wir über Faris Iskander gesprochen, aber auch über den Buchmarkt allgemein, über Selfpublishing und über die Angst beim Schreiben in heutiger Zeit.

Ein kurzer Auszug:

Ich las kürzlich, Liebesromane müsste es auf Rezept geben, denn sie seien Heilung für die Herzen der Leser. Was sind so gesehen Kriminalromane und Thriller?

Es gibt Krimis, die wollen reine Entspannung sein, die wären nach dieser Sichtweise vielleicht eine Beruhigungspille für den vom Alltag aufgewühlten Geist. Wobei das so negativ klingt, und ich es gar nicht so meine. Besser wäre es vielleicht …

Das gesamte Interview findet sich auf dem Blog Denkzeiten.com unter diesem Link.

Ach ja: Fünf – nicht ganz so ernst gemeinte (?) – Schreibtipps habe ich am Ende auch noch gegeben.

 


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